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Mordanschuldigungen: Entsetzen im Westen nach Nawalnys Tod

Mordanschuldigungen Entsetzen im Westen nach Nawalnys Tod
Der plötzliche Tod des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny in einer russischen Strafkolonie hat in der ganzen Welt empörte Reaktionen ausgelöst. Die EU machte das „russische Regime“ verantwortlich, der lettische Präsident Edgars Rinkevics beschuldigte

Nawalnys Team hatte dem Kreml wiederholt vorgeworfen, alles zu tun, um den wichtigsten Gegner von Präsident Wladimir Putin auszuschalten. Die Warnungen blieben ungehört, Nawalny starb laut Angaben der Gefängnisverwaltung in der Strafkolonie in der Arktisregion, in der er seit dem Vorjahr eingesessen war. Nawalnys Mutter sagte, sie habe ihren Sohn erst am Montag im Straflager besucht. „Er war lebendig, gesund und lebenslustig“, sagte sie in der kremlkritischen Zeitung „Nowaja Gaseta“.

Es sei offensichtlich, dass Nawalny von Putin getötet worden sei, so auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bei einem Presseauftritt in Berlin. Putin sei es gleichgültig, wer sterbe, ihm gehe es nur um den Machterhalt. „Es ist für mich offensichtlich: Er wurde getötet. Wie andere Tausende, die zu Tode gequält wurden wegen dieses einen Menschen.“ Der russische Staatschef müsse „für seine Verbrechen bezahlen“.

„EU hält russisches Regime für alleinverantwortlich“

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen reagierte „zutiefst beunruhigt und traurig“: „Eine düstere Erinnerung daran, worum es Putin und seinem Regime geht“, schrieb von der Leyen auf X (Twitter). Der Kreml-Chef fürchte nichts mehr als Widerspruch seines eigenen Volkes.

Nawalny habe „für seine Ideale das ultimative Opfer“ gebracht, erklärte am Freitag EU-Ratspräsident Charles Michel auf X. „Die EU hält das russische Regime für alleinverantwortlich für diesen tragischen Tod“, hieß es. „Kämpfer sterben“, so Michel, aber der Kampf um Freiheit ende nie.

Kreml-Kritiker Nawalny ist tot

Der prominente Kreml-Kritiker Alexej Nawalny ist tot. Das teilte die Gefängnisverwaltung FSIN am Freitag mit. Er starb in der Strafkolonie in der russischen Polarregion, wie die Behörde mitteilte. Die Gründe für seinen Tod würden untersucht, hieß es weiter.

Auch US-Außenminister Antony Blinken machte die russische Führung verantwortlich. Nawalnys Tode belege die „Schwäche und Fäulnis“ des von Putin aufgebauten Systems, sagte er in München, wo die Sicherheitskonferenz läuft. „Wenn diese Berichte zutreffen, gilt unser Mitgefühl in erster Linie seiner Frau und seiner Familie“, fügte Blinken hinzu.

Der Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden, Jake Sullivan, betonte, dass die US-Regierung noch keine eigene Bestätigung für den Tod habe und sich daher zunächst mit Kommentaren zurückhalte. „Angesichts der langen und schmutzigen Geschichte der russischen Regierung, ihren Gegnern Schaden zuzufügen, wirft das reale und offensichtliche Fragen darüber auf, was hier passiert ist“, sagte Sullivan weiter.

Tiefe Bestürzung über Tod von Nawalny

Die Nachricht über den Tod des Kreml-Kritikers Alexej Nawalny hat bei vielen am Rande der Sicherheitskonferenz in München für tiefe Bestürzung gesorgt. NATO-Chef Jens Stoltenberg machte deutlich, dass Russland nun Rede und Antwort über die genauen Umstände stehen müsse.

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg reagierte „tief betroffen und beunruhigt“ und übte scharfe Kritik am russischen Präsidenten Wladimir Putin. „Was wir gesehen haben, ist, dass Russland zu einer immer autoritäreren Macht geworden ist und seit vielen Jahren die Opposition unterdrückt“, sagte er. Gerade auch deswegen müsse Russland alle Fragen beantworten, die jetzt gestellt würden.

Ruf nach unabhängiger Untersuchung

Bundespräsident Alexander Van der Bellen reagierte „erschüttert“, wie er auf X schrieb. Putin „und sein mörderisches Regime haben das zu verantworten“, so Van der Bellen, der auch Nawalnys Angehörigen kondolierte. Ähnlich äußerte sich Vizekanzler Werner Kogler (Grüne), der eine „internationale Untersuchung“ der Todesumstände forderte.

Ich bin erschüttert über die Nachricht des Todes von Aleksej Navalny. Vladimir Putin und sein mörderisches Regime haben das zu verantworten. (1/2)

— A. Van der Bellen (@vanderbellen) 16. Februar 2024

Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) würdigte den als politischer Häftling verstorbenen Nawalny am Freitag als „Verfechter eines offeneren und demokratischeren Russlands“ und forderte eine „vollumfängliche, unabhängige Untersuchung der Umstände seines Todes“.

In Wien kamen ebenso wie in Berlin bereits wenige Stunden nach der Nachricht vom Ableben Nawalnys Demonstrierende vor der russischen Botschaft zusammen. Sie skandierten dabei auch „Putin ist ein Mörder“. Ein Vertreter der Wiener Polizei erklärte zunächst, die Spontankundgebung zu dulden.

Alexei Navalny, mit Tochter Dasha, Sohn Zakhar und Ehefrau Yulia APA/AFP/Vasily Maximov
Nawalny hinterlässt seine Frau und Mitstreiterin Julia sowie zwei Kinder

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron reagierte auf X empört. „Im heutigen Russland werden freie Geister in den Gulag gesteckt und dort zum Tode verurteilt“, so Macron: „Zorn und Empörung.“ Macron würdigte Nawalnys Engagement und dessen Mut. In Gedanken sei er bei dessen Familie, dessen Angehörigen und dem russischen Volk.

Nawalny „bezahlte mit dem Leben“

Der deutsche Kanzler Olaf Scholz nannte den Tod Nawalnys bedrückend. Dass dieser nach Russland zurückgegangen sei, sei sehr mutig gewesen. Nun habe er diesen Mut „mit dem Leben bezahlt“, so Scholz in Berlin. Man wisse jetzt genau, was in Moskau für ein Regime regiere. Russland sei „längst keine Demokratie mehr“.

Lettlands Staatschef wurde deutlich: „Was auch immer Sie über Alexej Nawalny als Politiker denken, er wurde einfach vom Kreml brutal ermordet“, so Rinkevics auf X: „Das ist eine Tatsache und etwas, das man über die wahre Natur des gegenwärtigen russischen Regimes wissen sollte.“ Sein Beileid gelte der Familie und den Freunden Nawalnys. Litauens Präsident Gitanas Nauseda forderte Konsequenzen für die Verantwortlichen. Diese müssten „vor Gericht gestellt“ werden, schrieb er auf X.

Whatever your thoughts about Alexey @Navalny as the politician, he was just brutally murdered by the Kremlin. That’s a fact and that is something one should know about the true nature of Russia’s current regime. My condolences to the family and friends.

— Edgars Rinkēvičs (@edgarsrinkevics) 16. Februar 2024

Polens Ministerpräsident Donald Tusk schrieb auf X: „Alexej, wir werden dich nie vergessen. Und wir werden ihnen nie vergeben“. Das polnische Außenministerium erklärte, die russische Regierung trage die alleinige Verantwortung für den Tod Nawalnys. „Wir fordern eine unabhängige Untersuchung und eine vollständige Aufklärung aller Umstände des Todesfalls“, hieß es weiter.

Auch der russische Friedensnobelpreisträger Dmitri Muratow meldete sich zu Wort und nannte Nawalnys Tod „Mord“. Er sei der Ansicht, dass die Haftbedingungen zu Nawalnys Ableben geführt hätten, sagte der Journalist zur Nachrichtenagentur Reuters.

Der russische Oppositionspolitiker Boris Nadeschdin, der kürzlich von der Kandidatur zum Präsidentenamt ausgeschlossen worden war, würdigte Nawalny. Dieser sei „einer der talentiertesten und mutigsten Menschen Russlands“ gewesen, hieß es auf Telegram.

Russland: Anwürfe „selbstentlarvend“

Das russische Außenministerium kritisierte die Anschuldigungen als „selbstentlarvend“. Obwohl die gerichtsmedizinischen Ergebnisse zu Nawalnys Tod noch nicht vorlägen, habe der Westen bereits seine eigenen Schlussfolgerungen gezogen, schrieb Außenamtssprecherin Maria Sacharowa auf Telegram.

Nawalny selbst sagte einmal zu CNN: „Wenn sie beschließen, mich zu töten, dann bedeutet das, dass wir unglaublich stark sind. Wir müssen diese Macht nutzen und dürfen nicht aufgeben“, so Nawalny. „Wir sind uns nicht bewusst, wie stark wir eigentlich sind.“

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