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Jones and all
24 Jahre nachdem sie allein am Sofa sitzend „All by myself“ gesungen hat, ist Bridget Jones irgendwie wieder all by herself. Als verwitwete alleinerziehende Mutter kämpft sie sich mit der Komik-Machete durch den Rom-Com-Dschungel - und das durchaus

24 Jahre nachdem sie allein am Sofa sitzend „All by myself“ gesungen hat, ist Bridget Jones irgendwie wieder all by herself. Als verwitwete alleinerziehende Mutter kämpft sie sich mit der Komik-Machete durch den Rom-Com-Dschungel - und das durchaus amüsanter als in den beiden vorhergegangenen Filmen.

Von Pia Reiser

Not all heroes wear capes; manche tragen Pyjama mit Pinguinprint und Shapewear-Unterhosen. Als Bridget Jones 2001 als berufstätiger Single Anfang 30 auf der Leinwand auftaucht, feiert ein Großteil des weiblichen Publikums einen Moment der Identifikation. Aus heutiger Sicht mag man die Stirn runzeln, aber ein Blick auf das Hollywoodkino der 1990er Jahre mit all seinen Femme Fatales, Damsels in Distress und Sidekicks hilft dabei, den Blick zu schärfen und zu verstehen, warum Bridget Jones eine Art Marienerscheinung in Sachen Repräsentation war. Im Jahr 1991 wird mit „Thelma und Louise“ ein Film als feministisches Meisterwerk gefeiert, in dem der Moment, als sich zwei Frauen für den Freitod entscheiden, als Triumph präsentiert wird. Weil: besser tot als weiter in dieser Welt mit diesen Männern zu leben. Also ja, die Lage war eher düster.

Fast zeitgleich mit Carrie Bradshaw in „Sex and the City“ wird Bridget Jones eine Symbolfigur für viele Frauen der Gen X. Beide Figuren entstammen Zeitungskolumnen, nicht unähnlich der, die Bradshaw in der Serie selbst schreibt. Jones arbeitet zunächst in einem Verlagshaus und ist später Aufnahmeleiterin beim Fernsehen, Bradshaw ist im „Sex and the City"-Nachfolger "... And just like that“ Podcasterin. Die Medienberufe als Indiz für eine moderne Frau sind untrennbar mit beiden Figuren verbunden. Die Medien der echten Welt waren und sind sich bei beiden Frauen bis heute nicht einig, ob sie Ikonen des Feminismus sind oder der Antichrist höchstpersönlich, der ausgezogen ist, den Feminismus zu zerschlagen. Im Falle von Bridget Jones ist es vor allem die Körperpolitik des ersten Films, die viele empört. Have bottom the size of Brazil, schreibt Bridget in ihr Tagebuch und nimmt sich dauernd vor, abzunehmen. Ihre Kleidergröße ist 40, also (europäischer) Durchschnitt. Tatsächlich hat man aber bis dahin im Kino so gut wie nie eine Schauspielerin mit Kleidergröße 40 gesehen. Zellweger nimmt für die Rolle 2001 an die 15 Kilo zu. Man kann über manche Witze in „Bridget Jones’s Diary“ ausgiebig die Augen rollen, doch die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper repräsentiert wiederum auch etwas, was vermutlich ein Großteil des (weiblichen) Kinopublikums kennt.

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Rom Coms sind unrealistisch - na und?

Die 1990er Jahre mit Heroin Chic und Diet Culture waren nicht gerade hilfreich in Sachen Vorbildwirkung, und von Body Positivity hat 2001 noch niemand gehört. Und auch, dass eine Figur in einer Romantic Comedy - einem Genre, das die Kritik selten ernst genommen hat - derart streng auf ideologische Einwandfreiheit abgeklopft und dann zerlegt wird, zeigt auch, dass der Blick, den wir auf weibliche Filmfiguren haben, üblicherweise ein strengerer ist. Wenn wir es jahrzehntelang geschafft haben, männliche Killer, Weirdos und Narzissten des Kinos als Antihelden zu feiern, können wir es wohl schaffen, eine weibliche Filmfigur zu akzeptieren, die vielleicht nicht in jeder Sekunde ihres Alltags als Vorzeige-Feministin agiert. Es ist ein Film, keine Anleitung, wie man sein Leben führen soll.

Dieser Satz gilt ohnehin für alle Genres, aber vielleicht am allermeisten für Rom Coms, ein Genre, das - obwohl es alle besser wissen müssten - immer wieder mit Lebensrealitäten verglichen wird, um dann zu dem Schluss zu kommen, dass sich wohl weder Bridget Jones ihre Wohnung in Borough Market noch Carrie Bradshaw ihre in Manhattan leisten könnte. Wir nennen es Fiktion und Rom Coms sind fast immer Social Fiction. Wer das nicht als Genreregel akzeptieren kann, sollte auch keine Texte über Rom Coms schreiben oder halt dann auch konsequenterweise bei Science-Fiction-Filmen die Funktionsweise von Warp 10 oder des blauen Dune-Saftes in Frage stellen.

Nachdem wir das aus dem Weg geräumt haben, willkommen in dem Teil des Textes, in dem es jetzt endlich um „Bridget Jones: Mad about the Boy“ geht! 24 Jahre nach dem ersten Teil und nach zwei sehr vernachlässigbaren Beiträgen zum Franchise schlüpft Renee Zellweger erneut in den Pinguinpyjama. Bridget Jones ist jetzt Mitte 50, Mutter von zwei Kindern - und Witwe. Mark Darcy (Colin Firth), Bridgets Ehemann, war als Anwalt für Menschenrechte im Sudan und ist dort ermordet worden. Und ja, er ist wirklich tot. Nicht so „tot“ wie Hugh Grants Figur Daniel in „Bridget Jones’s Baby“, wo am Ende des Films eine Zeitungsnotiz verkündet, er wäre eh noch am Leben. In „Bridget Jones: Mad About the Boy“ ist Hugh Grant recht lebendig wieder mit dabei, u.a. als Babysitter für Bridgets Kinder - vor allem aber als Reminder, was für eine herrlich komödiantische Erscheinung Hugh Grant ist. Der alternde, semi-geläuterte Macho Daniel Cleaver mit Flipphone und immer noch floppy hair vergoldet den Film, dessen Witz ansonsten zwischendrin auch blechern daherkommt.

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Nostalgie und Skikurs-Soundtrack

Vier Jahre sind vergangen seit Mark Darcys Tod und Bridgets Freundeskreis findet, es wäre Zeit für ein Date oder zumindest für Sex. Dafür hat Bridget keinen Kopf, zumindest nicht, bis sie beim Versuch, auf einen Baum zu klettern, von einem jungen Mann mit dem beknackten Namen Roxter gerettet wird. Roxter ist 28, wird von Leo Woddall gespielt und darf in so herrlich dämlichen larger than life Szenarien agieren wie angezogen in den Pool springen, um erstens: ein Schoßhündchen zu retten, und zweitens: uns alle im durchnässten weißen Hemd an Colin Firth als Mr Darcy in „Pride and Prejudice“ zu erinnern.

Bridget Jones beginnt außerdem wieder zu arbeiten und entwickelt eine kleine Freude am morgendlichen Smalltalk mit einem neuen Lehrer an der Schule. Chiwetel Ejiofor als Mr Wallaker ist ein Highlight des Films. Irgendwann spielt er Klavier und trägt einen kleinen Rotkehlchen-Anstecker und kurz ist die ganze Welt in Ordnung. Überhaupt ist „Bridget Jones: Mad about the Boy“ ein Film, der einen via schlau selektierter Songs permanent gut bei Laune hält - ja, es ist ein bisschen Skikurs-Disco-Atmosphäre („Praise you“, „A little respect“), aber schlau die Nostalgiepunkte des zu erwartenden Publikums genau abklopfend. (Ich bin mir auch ganz sicher, dass ein Track von Air zu hören ist, als Bridget Roxter trifft, das Internet weiß aber nichts davon - falls jemand im Kino ist und das bestätigen oder verneinen kann, gebt mir Bescheid!)

David Bowie singt „Modern Love“, ein Schulbus voller Kinder singt „Should I stay or should I go“ und so singt man irgendwann zumindest innerlich alles mit und kann dem Film daher mehrere Pointen, die so gar nicht landen, auch nicht wirklich übel nehmen - die Vorhersehbarkeit ohnehin nicht, die ist Teil des Vertrags, den man unterschreibt, wenn man sich eine Rom Com anschaut. Man wäre ja vermutlich vielleicht sogar eher empört, wenn es kein Liebesgeständnis im Regen oder Schnee geben würde. Mit der anderen britischen Ikone, die auch gerade im Kino zu sehen ist, Paddington, hat Bridget Jones nämlich nicht nur die Tendenz zur Patschertheit, sondern auch die Kindness gemeinsam.

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„Bridget Jones: Mad about the Boy“ startet am 27. Februar 2025 in den österreichischen Kinos.

Ein Wiedersehen mit Blümchenkleidern

Wie schön ist es auch, dass Daunengiletträger als Arschgeigen inszeniert werden und man sich über Personen lustig macht, die ihren Pullover als Schal tragen. Ansonsten ist „Bridget Jones: Mad about the Boy“ modetechnisch eine recht nostalgische Angelegenheit, wenn Outfits aus den früheren Filmen ausgepackt werden und Bridget Jones immer öfter zu der Kleidung greift, in der sie sich schon 2001 wohlgefühlt hat: Blümchenkleider, Wolljacken, Latzhosen, kleine Jeansjacken. Überhaupt werden sich alle mit gutem Gedächtnis alle paar Minuten über ein Easter Egg freuen. Der Stift mit dem Puschel, das Tagebuch, Darcys Rentier-Sweater, Bridgets erste Wohnung und sogar „All by myself“, alle diese Reminiszenzen haben einen kleinen Auftritt. Letzteres nicht als Song, sondern als Netflix-Passwort.

Seltsam antiquiert wirken hingegen ein schambehafteter Kauf von Kondomen und ein ebenfalls als peinlich inszenierter Moment, als aus Bridgets Tasche lauter Infozettel über Geschlechtskrankheiten fallen. Aber diese Infozettel stammen aus der Praxis der Gynäkologin, die von Emma Thompson gespielt wird, und selbst wenn ihre Szenen kurz sind, so ist es eine Freude, Thompson dabei zuzuschauen, wie sie Bridget Jones die Leviten liest (und Rezepte schreibt).

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„Bridget Jones: Mad about the Boy“ kreuzt alle Felder einer Rom-Com-Bingokarte an und zieht zusätzlich noch eine Ebene in Sachen Umgang mit Trauer ein. Natürlich habe ich geweint. Zwei zynismusfreie Stunden in einem Fantasie-UK mit leistbarem Wohnen, top medizinischer Versorgung und einer Gen-Z, die sich für die Marx Brothers interessiert, sind momentan nicht der schlechteste Zeitvertreib.

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